Wohnen und leben in Japan – Teil 1 – Leben in einer Japanischen Gastfamilie

Die erste Reihe an Posts wird sich ganz um das Leben und Wohnen als Ausländer in Japan drehen. Egal ob du als Tourist eine Reise planst, als Austauschschüler zu einer Gastfamilie möchtest oder als Student eine Wohnung suchst, ich werde dir dabei helfen! Das Ganze möchte ich aufteilen damit es nicht zu viel auf einmal wird 🙂

Im ersten Teil erzähle ich dir etwas über das Leben in einer japanischen Gastfamilie. Als ich damals mit 18 Jahren nach Japan ging, lebte ich insgesamt bei drei japanischen Familien. Die erste war die eines Freundes, den ich während meiner Schulzeit in Deutschland kennenlernte. Er lud mich ein, als er erfuhr dass ich nach Japan reisen wollte. Sie war mit Abstand die „japanischste“ Familie. Ich lebte dort für ca. zwei Monate, zusammen mit den Eltern, meinem Kumpel, seinem Bruder und seiner Schwester. Außerdem teilten wir uns das Haus in einem kleinen Ort in Saitama mit seinen Großeltern. Und zu guter Letzt kam für einen Monat ein gemeinsamer Freund aus Deutschland zu Besuch. Insgesamt waren wir also neun Personen! Das wäre nicht weiter schlimm gewesen, wenn das Haus nicht so unglaublich klein und vollgestellt gewesen wäre. Die Familie war sehr nett und gab sich unglaublich viel Mühe aber ich war aus Deutschland einfach mehr Platz gewöhnt und außerdem hatte ich dort Ruhe, wenn ich auf dem Klo saß.

Ganz anders bei dieser Familie: Da das einzige Klo mit dem Badezimmer kombiniert, keine richtige Tür besaß, sondern nur eine Art Falttür, und außerdem mit dem belebten Wohnzimmer verbunden war, entschied ich mich dazu mein Geschäft auf dem Klo eines Supermarkts ganz in der Nähe zu verrichten…

Nachts schlief ich auf dem Boden neben dem Bett meines Freundes. Sein Zimmer war ca. 5m² groß und neben seinem Bett, meinem Futon und dem Schreibtisch war auch kein Platz mehr vorhanden. Ich flog damals Anfang August nach Japan, und wer im Sommer schon mal da war, weiß wie unglaublich heiß und schwül es ist. Normalerweise benutzen Japaner eine Klimaanlage, die es in jedem Haus gibt. Diese Familie war aber sehr sparsam und verzichtete komplett auf die Benutzung und auch den Ventilator in seinem Zimmer durfte ich nur für eine halbe Stunde mit Timer zum Einschlafen anmachen.

Japan an sich kann bei dem ein oder anderem ja schon einen Kulturschock hervorrufen, aber dazu kam dann noch die überhaupt nicht vorhandene Privatsphäre, mein sehr schlechtes Japanisch und die Hitze von meist 40°C im Schatten. Ich muss zugeben, dass es mir am Anfang deshalb ziemlich schlecht ging und ich einfach nur nach Hause wollte. Nach ca. zwei Wochen der Verzweiflung gewöhnte ich mich aber langsam an die Situation und konnte die unglaubliche Gastfreundschaft dieser Familie genießen. Die ganze Familie fühlte sich verpflichtet fast jeden Tag etwas mit uns zu unternehmen. Der Vater nahm sich dafür extra frei (in Japan kommt das eher selten vor) und fuhr mit uns an alle wichtigen Orte, die man als Tourist in der Umgebung besucht haben sollte. Für einen Ausflug zum Tsukiji-Fischmarkt bezahlten sie die Unterbringung in einem Hotel, damit wir am nächsten Morgen ganz früh den Fischverkauf sehen konnten. Die Mutter stand jeden Tag um 5 Uhr auf, um allen traditionell japanisches Frühstück zu machen. Jeden Morgen gab es Reis, Fisch, Miso-Suppe und Natto und zur Freude der Gastmutter mochte ich ihr Essen sehr gerne – anders als der andere deutsche Besucher, der in dem Monat gute 5 kg abnahm.

Mein japanischer Freund stellte uns seine Freunde vor und so kannten wir bald genug Leute um uns selbständig zu verabreden. Da wir auf dem Land wohnten, waren auch unsere Aktivitäten typisch „Inaka“ (田舎 – ländlich). Wenn sich junge Japaner verabreden, dann selten einfach nur zum Abhängen. Meistens geht man zum Karaoke, Bowling oder Gamecenter. Vereint werden Aktivitäten bei „Round1“. Dort bezahlt man einmal Eintritt und hat dann alles einem riesigen Gebäude vereint.

Nach den zwei Monaten bei dieser Familie zog ich in einen Vorort von Yokohhama zu der nächsten Gastfamilie. Ich organisierte sie mir irgendwie über das Internet bei der japanischen Reisegesellschaft JTB und so bezahlte ich pro Monat ca. 1200 Euro (ich erfuhr irgendwann, dass die Familie leider nur die Hälfte des Geldbetrages erhielt).

Der Kontrast war enorm. Die Familie bestand aus den beiden Gasteltern, die beide Mitte 70 waren – und mir. Sie lebten in einem auch für deutsche Verhältnisse riesigen Haus (ca. 400 m2) auf einem Berg. Ich lebte dort wie ein König, denn meine neue Gastmutter las mir jeden Wunsch von den Lippen ab. Anders als bei der vorherigen Gastfamilie musste ich nie im Haushalt helfen oder irgendwelche anderen Aufgaben übernehmen. Sie machte mir jeden Morgen ein Frühstück mit meinem Lieblingsessen und abends gab es entweder selbstgekochtes Essen oder Sushi vom Sushi-Restaurant in der Nähe. Manchmal bestellte sie auch Pizza. Lieferpizza in Japan ist zwar sehr lecker, aber auch sehr teuer. Eine große Pizza kostet ca. 25€. Laut Beschreibung sollte diese zwar für 3-4 Personen reichen, dass kann ich aber als Deutscher nicht bestätigen. Eine ganze Pizza alleine zu essen ist aber dann doch relativ viel 🙂

Leider lebte ich den ersten Monat sehr isoliert von der Außenwelt. Meine Freunde aus Saitama waren fast drei Stunden mit dem Zug entfernt und sonst kannte ich auch niemanden dort. Das änderte sich zum Glück an dem Tag, als meine Sprachschule in Tokyo anfing. Ich lernte Freunde aus der ganzen Welt kennen (leider keine Japaner) und so fühlte ich mich immer wohler. Tagsüber war ich in Tokyo und abends fuhr ich zurück zu meiner Gastfamilie nach Yokohama. Das hat zwar pro Strecke anderthalb Stunden gedauer, hat aber dank dem sehr angehenem japanischen Zugverkehr fast schon Spaß gemacht. In der Zwischenzeit kam ich mit einem gleichaltrigen Mädchen zusammen, dass ich noch aus Saitama kannte und wir trafen uns meist in Ikebukuro, da der Bahnhof ziemlich genau in der Mitte lag.

Nach sechs Monaten in Japan musste ich die Gastfamilie erneut wechseln. Das Ehepaar aus Yokohama konnte nur bis Februar, da sie eine Safari-Reise in Afrika machen wollten. Und so zog ich erneut nach Saitama in eine Familie die ich von meiner Freundin vorgestellt bekommen hatte. Mit der hatte ich dummerweise einen Monat vorher Schluss gemacht hatte. Eigentlich machte sie mit mir Schluss, ich war damals aber noch zu doof um das zu begreifen.

Die Familie war zwar sehr nett und genauso gastfreundlich wie die beiden anderen, man spürte aber das schlechte Verhältnis zwischen den Eltern. Die beiden waren wohl nur noch aus Nützlichkeit zusammen (das gibt es in Japan sehr oft) und auch die Tochter der beiden (25) litt sehr darunter. Alle drei waren Lehrer an verschiedenen Schulen und arbeiteten den ganzen Tag. Abends waren alle sehr Müde, gaben sich aber trotzdem Mühe es mir so schön wie möglich zu machen. Bei dieser Gastfamilie musste ich im Haushalt helfen, dies aber erst, nachdem ich mehrfach fragte und sagte, dass das in Deutschland normal ist. In Japan ist es üblich, dass man solche Dinge nicht fordert; man sollte deshalb mindestens dreimal nachhaken!

In dieser Zeit ging es mir wieder ziemlich mies. Das schlechte Verhältnis der Eltern war deprimierend und außerdem vermisste ich meine Freundin total. Die sagte mir ganz stolz, dass sie jetzt mit ihrem 35-Jährigen Chef zusammen ist. Nach und nach verstand ich auch das die beiden wohl schon ein Paar waren als ich mit ihr noch zusammen war und die Eifersucht darüber machte mich ganz krank. Zu guter Letzt lernte ich deshalb für die (sehr schwere) Sprachschule nicht mehr richtig und musste fast meine Klasse verlassen.

Meine Rettung kam als ich nach anderthalb Monaten endlich alleine nach Tokyo zog und dort eine kleine Wohnung mietete.

Wie es weiter geht und wie man eine Wohnung in Tokyo mietet, erzähle ich in Teil zwei! 🙂

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